Nahrungsmittelverbrauch durch Fleisch

Nahrungsmittelverbrauch durch Fleisch

Der prognostizierte Anstieg der Weltbevölkerung auf ca. 9,7 Mrd. Menschen bis zum Jahr 2050 in Verbindung mit steigendem Wohlstand und einem veränderten Konsumverhalten erfordert eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 60 %. Doch dieser Anstieg ist nicht einfach durch die Bewirtschaftung von mehr Ackerflächen mit den heutigen Mitteln zu bewältigen.

Denn die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen sind begrenzt und bereits heute derartig überstrapaziert, dass die brauchbaren Ackerflächen von ca. 49,2 Mio. Quadratkilometern tendenziell schrumpfen werden und die zur Verfügung stehende Fläche pro Kopf sich von aktuell ca. 2.000 Quadratmetern auf ca. 1.500 qm2 verringern wird.

 Landwirschaftliche Nutzfläche im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung

 Effizientere Nutzung der verfügbaren Flächen

Somit bleibt offensichtlich nur die zur Verfügung stehenden Flächen weitaus effizienter zu nutzen, sprich den Ertrag pro Quadratmeter deutlich zu steigern. Aktuelle Maßnahmen führen zu Problemen wie Monokulturen, Überdüngung, Bodenerosion, hoher Pestizideinsatz, Unsicherheiten über gentechnisch veränderte Lebensmittel und vieles mehr.

Die Schattenseiten der genannten Maßnahmen sind hinreichend bekannt und wir werden einige in späteren Beiträgen wieder aufgreifen. Ein weiterer Ansatz ist die Umwandlung von bereits geernteten Nahrungsmitteln in Fleisch zu verringern. Um eine Kalorie Geflügelfleisch herzustellen, müssen 4 Kalorien an Futter eingesetzt werden. Bei Rindfleisch schnellt das Verhältnis bis auf 21 zu 1 hoch.

Bedenkt man, dass 2010 bereits ca. 34 % der geernteten Nahrungsmittel bei der Gewinnung von Fleisch verbraucht wurden, dürften es heute bereits ca. 40 % sein. Analog werden mehr als 60 % der aktuellen landwirtschaftlichen Flächen für die Futtermittelproduktion genutzt.

Aufgrund der Nutzung von Weideflächen, welche nicht der menschlichen Nahrungsmittelproduktion dienen, ist das Verhältnis von Futtermittel nicht direkt auf den Flächenverbrauch übertragbar.

Flächenbedarf durch Fleisch

Angesichts der Faktenlage ist eindeutig, dass der Anstieg des Fleischkonsums von heute ca. 310 Mio. Tonnen auf ca. 455 Mio. Tonnen mit den aktuellen Methoden nicht mehr zu bewältigen ist. Es sei denn die tierische Proteingewinnung wird um ein vielfaches in ihrer Effizienz gesteigert, durch beispielsweise die Umstellung eines Teils der Fleisch-(Protein-) Gewinnung auf Insekten – Entomophagie.

Aber warum ist dies genau von Vorteil und was wird aktuell gemacht?

Rind- und Kalbsfleisch

Heute werden weltweit etwa 59 Mio. Tonnen an Rind- und Kalbsfleisch weltweit konsumiert oder in anderen Worten 19 % des weltweiten Fleischkonsums wird durch Rind- und Kalbsfleisch gedeckt.

In etwa 54 % hiervon werden durch intensive Tierhaltung produziert und genau hier liegt das Problem. Früher wurden Rinder auf  Weiden gehalten, welche gar nicht für die Produktion von Nahrungsmitteln zu gebrauchen waren, und haben sich dort genüsslich an Gras satt gefressen, welches auf natürliche Weise sowieso schon zur Verfügung stand. Jedoch hält die reine Ernährung durch Gras dem heutigen Mengen- und Kostendruck nicht mehr stand.

Zum Einen gibt es nicht genug Wiesen um so viele Rinder zu füttern – ca. 70 % des Weidelandes gilt als zerstört - und zum Anderen ist die Viehzucht auf Weideland deutlich teurer als die Massenzucht. Dies liegt vor allem an der Wachstumsgeschwindigkeit der Rinder – braucht ein Rind auf der Wiese mindesten 2 Jahre um schlachtreif zu werden, ist dies in den Mastbetrieben bereits nach ca. 1-1,5 Jahren möglichen. Der Effekt ist vor allem auf 2 Faktoren zurück zu führen.

Einerseits werden die Tiere kontinuierlich mit kleinen Mengen von Antibiotika behandelt, obwohl sie gesund sind, da so das Wachstum enorm gesteigert wird und wurde in den Jahren in 1950er Jahren von Thomas Jukes in den USA zufällig entdeckt. Seitdem ist der Einsatz von Antibiotika in der Fleischproduktion Gang und Gäbe.

Andererseits werden die Tiere nicht mehr nur mit Gras gefüttert, das eher Nährstoffarm sowie schwierig und langwierig zu verdauen ist. Die Rinder sind aus diesem Grund Wiederkäuer und das verspeiste Gras wird gründlich zerkaut. Danach durchwandert das Gras alle 4 Mägen der Kuh, um die maximale Ausbeute an Nährstoffen herauszuholen. Da dies zeitintensiv ist und nur zu geringer Gewichtszunahme führt, wird heute überwiegend eine Futtermischung gegeben, welche einfacher zu verdauen ist und durch den höheren Nährwert zu einer rasanten Gewichtszunahme bei den Tieren führt.

Das Mischfutter beinhaltet noch ca. 25 % Gras und 50 % Mais als Grundfutter, darauf aufbauend wird Kraftfutter in Form von Gerste, Weizen und Soja verfüttert. Jedoch sind Rinder keine besonders guten Verwerter der gefütterten Kalorien und aus ca. 7 Kg Futtermittel wird nur ca. 1 Kg an Rindfleisch.

Zusammensetzung Rinderkraftfutter

Steigt nun der Konsum von Rindfleisch bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent oder weitere 30 Mio. Tonnen auf insgesamt 90 Mio. Tonnen (konstanter Anteil von 19 % am prognostizierten globalen Verbrauch von 455 Mio. Tonnen), dann muss auch das Futtermittel entsprechend gesteigert werden. Somit werden weitere dringend benötigte Flächen nicht mehr genutzt um direkt die zusätzlichen Menschen auf unserem Planeten zu versorgen, sondern umgewandelt um unseren Hunger nach Rindfleisch zu stillen.

Schweinefleisch

Ein Großteil des weltweit konsumierten Fleischs wird vom Schwein gewonnen – 36 % des Bedarfs oder 110 Mio. Tonnen. Was für das Rind gilt, gilt auch weitestgehend für Schweine. Einstmals als Allesfresser und Hausschwein mit den Überresten menschliche Nahrung gefüttert und in geringem Maße konsumiert, ist eine derartige Aufzucht bei der heutigen Nachfrage natürlich nicht mehr möglich. Auch erfordert die Nahrungsmittelsicherheit dass das Futtermittel genauestens überwacht wird. So können die Tiere nicht mehr einfach mit Speiseabfällen aus den Küchen gezüchtet werden.

Allenfalls Privatpersonen ist die heimische Zucht in kleinem Umfang noch möglich, aber für eine industrielle Produktion kann die geforderte Quantität so nicht bereitgestellt werden bzw. nur unter aufwendigen Kontrollen und Verfahren, welche die Kosten für das Futter übermäßig in die Höhe treiben und letztlich das Fleisch verteuern würden.

Das der Verzehr von Schwein gegenüber Rind um ein Vielfaches höher liegt, ist vor allem auf den günstigeren Preis zurück zu führen. Somit wäre eine Verteuerung des Futtermittels aus industrieller Sicht nachteilig und damit nicht gewollt. Darüber hinaus würde dies von vielen Konsumenten wahrscheinlich auch abgelehnt werden.

Ebenso wie beim Rind kommt der Großteil des Fleischs aus der industriellen Massentierhaltung und wurde auch zum Zwecke der schnellen  Gewichtszunahme ebenfalls auf eine Kombination aus Antibiotikazugabe mit einer energiereichen Nahrung aus Getreide und Mais umgestellt.

Das Mischfutter bei Schweinen enthält keinerlei Gras dafür aber ca. 30 % Mais, 20 % Gerste und 17 % Weizen als Grundfutter, darauf aufbauend wird Proteinfutter in Form von Soja- & Rapsschrott verfüttert sowie Ergänzungen für Vitamine und Mineralien.

Jedoch liegt das Verhältnis von Futter zur Gewichtszunahme bei Schweinen etwas günstiger als bei Rindern und beträgt in etwa 1 Kilogewichtszunahme je 4 gefütterten Kilos.

Steig nun der Konsum von Schweinefleisch bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent oder weitere 52 Mio. Tonnen auf insgesamt 162 Mio. Tonnen (konstanter Anteil von 36 % am prognostizierten globalen Verbrauch von 455 Mio. Tonnen) dann muss auch das Futtermittel entsprechend steigen. 

Geflügelfleisch

Den stärksten Anstieg beim Verbrauch von Fleisch hat in den letzten Jahren das Geflügel zu verzeichnen und hat mit einem prozentualen Anteil von 40 % oder 124 Mio. Tonnen am weltweiten Fleischkonsum den Spitzenplatz übernommen.

Die Nachfrage nach Geflügelfleisch wird einerseits durch die gestiegene Nachfrage der Konsumenten in den Industrienationen nach dem ansehnlichen und schmackhaften Brustfleisch befeuert aber auch andererseits durch den wirtschaftlichen Aufschwung in Entwicklungs- und Schwellenländern, die aufgrund von Kultur und Religion das Geflügel dem Rind oder Schwein vorziehen.

Des Weiteren ist das Geflügelfleisch auch dank seiner geringen Herstellungskosten erfolgreich. Wobei 70 % der Herstellungskosten von Geflügel aus dem Einkaufspreis des Futtermittels bestehen und sich folglich das effiziente Verhältnis von 2 Kilo Futtermittel zu 1 Kilo Gewichtszunahmen direkt im Preis widerspiegelt. Also deutlich effizienter als Rinder oder Schweine.

Wie auch bei Rindern und Schweinen ist die Versorgung von Geflügelfleisch nicht mehr durch kleine Betriebe, in denen die Hühner im Hof Regenwürmer aus dem Boden picken, sicherzustellen sondern auch hier fand eine Transformation zur großindustriellen Massenproduktion statt und es wurden neben dem Einsatz von Antibiotika und nährstoffreichen Futtermitteln gezielt Geflügelsorten gezüchtet, die extrem schnell das Futter in Gewichtszunahme umwandeln.

Hierzu wird ein energiereiches Futtermittel verwendet, welches auch keinerlei Gras enthält dafür aber ca. 40 % Weizen, 30 % Sojaschrott und 10 % Gerste als Grundfutter. Der Proteinanteil ist durch das Sojaschrott bereits sehr hoch und wird noch ergänzt durch Erbsen, Mais und verschieden Vitamine & Mineralstoffe.

Steig nun der Konsum von Geflügelfleisch bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent oder weitere 58 Mio. Tonnen auf insgesamt 182 Mio. Tonnen (konstanter Anteil von 40 % am prognostizierten globalen Verbrauch von 455 Mio. Tonnen) dann muss auch das Futtermittel entsprechend steigen.  Bedenkt man, dass trotz der effizienten Umwandlung von 2 Kilo Futtermittel zu 1 Kilo Geflügelfleisch bereits 1/7 der kompletten Getreideernte der USA und 1/5 der Soja-Ernte als Geflügelfutter verbraucht werden, ist dies eine mehr als besorgniserregende Entwicklung.

Essbare Insekten

Auch wenn mehr als ca. 1.900 Insektenarten weltweit von ca. 2 Mrd. Menschen regelmäßig konsumiert werden, ist ihre Menge in Tonnen pro Jahr im Vergleich zu den Fleischmengen heute noch unbedeutend – eine seriöse Schätzung der Gesamtmenge ist heute kaum möglich, da ein Großteil nicht von Insekten-Farmen stammt, sondern in freier Wildbahn gefangen wird, daher ist eine exakte Erfassung nicht darstellbar.

Das Einsammeln von Insekten aus der freien Natur entspricht heute auch nicht mehr den Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Proteinquelle. Es muss sichergestellt werden, dass die Böden, Luft und Wasser von jeglicher Kontamination frei sind und somit das Nahrungsmittel letztlich unbelastet den menschlichen Konsumenten erreicht.

Beispielsweise werden Hausgrillen oder Heimchen bereits seit mehr als 20 Jahren in Thailand kommerziell gezüchtet und seit kurzem existieren auch erste Farmen für Heimchen und Mehlwürmer in Europa und Nordamerika.

Aber was ist der Vorteil von Insekten gegenüber Rind, Schwein und Geflügel?

Laut aktuellen Zahlen und Studien benötigen Insekten (bspw. Heimchen der Art Acheta Domesticus oder Mehlwürmer) nur 1 Kg  Futtermittel um 1 Kg Insekten herzustellen, da beide Arten zu 100 % konsumiert werden können, also keine Knochen, Haut etc. entfernt werden muss, liegt der Vorteil klar auf der Hand. Bereits heute werden Nahrungsmittel / Kalorien durch die Umwandlung in Fleisch und Proteine bei der Herstellung von Rindern, Schweinen und Geflügel vernichtet. Bei Insekten ist dies nicht der Fall, hier beträgt das Umwandlungsverhältnis von Nahrungsmittel zu Insektengewicht 1:1.

Fleischverbrauch bis 2050 und Futtermittel Insekten

Bereits heute können durch die Nutzung von Insekten als Nahrungsquelle gegenüber herkömmlichen Fleischquellen mehrere Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln eingespart werden und die Einsparung wird nur noch größer, wenn man den globalen Anstieg auf 455 Mio. Tonnen Fleisch im Jahr 2050 betrachtet.

Wird nur ein kleiner Prozentsatz hiervon durch Insekten gedeckt, führt dies zu Millionen von Tonnen an „eingesparten“ Nahrungsmitteln, die direkt dem menschlichen Konsumenten zur Verfügung gestellt werden können. Würde sogar eines Tages die Hälfte des heutigen Fleischkonsums durch Insekten ersetzt, spart dies in etwa ein Drittel der globalen Ackerflächen ein.

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Imago Insect Products


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