Sind Insekten das neue Sushi? Wohl eher nicht

Sind Insekten das neue Sushi? Wohl eher nicht

Essbare Insekten haben aufgrund ihrer Nachhaltigkeit gegenüber Fleisch und dem hohen Proteinanteil das Potenzial unsere Ernährungsgewohnheiten auf den Kopf zu stellen. Jedoch ist die Akzeptanz beim Verbraucher der entscheidende Faktor, ob sich die Entomophagie („das Essen von Insekten“) bei uns durchsetzen wird und ob sich die nachhaltigen Effekte bei einer Deckung des Proteinsbedarfs durch Insekten einstellen werden. In einem vorherigen Beitrag hatten wir bereits beschrieben, dass dies letztlich nur über den Geschmack der Produkte erfolgen kann, da die Kopfargumente wie Nachhaltigkeit und Nährstoffe nicht ausreichen, um das Bauchargument Geschmack zu überlagern.

Klingt erstmal einleuchtend und recht einfach aber nichts desto trotz wird es extrem schwierig werden essbare Insekten in die tägliche Ernährung zu integrieren. Das Paradebeispiel wie sich ein derartiger Wandel zutragen kann, ist Sushi. Aber ist der Ansatz auch auf Insekten anwendbar?

Kurze Geschichte des Sushi

Laut Wikipedia ist Sushi ein japanisches Gericht aus erkaltetem, gesäuertem Reis, ergänzt um weitere Zutaten wie rohen oder geräucherten Fisch, rohe Meeresfrüchte, Nori (getrockneter und gerösteter Seetang), Gemüse, Tofuvarianten und Ei. Die Zusammenstellung variiert nach Art und Rezept. Sushi wird in mundgerechten Stücken optisch ansprechend zubereitet serviert. Die heutige Form des Sushi wurde zwar im 18. Jahrhundert in Japan entwickelt aber die Ursprünge liegen im Mekong-Delta.

Kalter, gesäuerter Reis, Seetang und roher Fisch oder Meeresfrüchte gehören traditionell nicht gerade in jeden deutschen Kochtopf, aber dennoch hat es das Sushi im Laufe von 40 Jahren zu einem globalen Nahrungsmittel geschafft. Gemeinhin anerkannt ist, dass das erste moderne Sushi-Restaurant 1966 in Los Angeles eröffnet wurde. Damals richtete sich das Angebot aber vor allem an ausgewanderte Japaner. Das erste Sushi-Restaurant mit dem wohlbekannten Fließband wurde 1977 in Frankfurt eröffnet und seitdem hat sich Sushi zu einem quasi Standardessen entwickelt. Von Berlin über Amsterdam bis London und New York gehören Sushi-Restaurants zum normalen Stadtbild und auch in jeder deutschen Kleinstadt findet sich das japanische Gericht auf vielen Speisekarten.

Durch und durch eine Erfolgsgeschichte – aber was sind die tiefergehenden Gründe und Voraussetzungen für Etablierung von Sushi in Europa und den USA? Und sind diese einfach auf Insekten zu übertragen?

Sushi Tradition

 In seinem Artikel „Insects are not the new sushi: theories of practice and the acceptance of novel foods“ beschreibt der Autor Jonas House die detaillierten Voraussetzungen warum sich Sushi in den USA etabliert hat. Das Sushi hat bereits einen traditionellen Platz in der japanischen Kultur gefunden und ist dort eingebunden in ein Netz aus Regeln und Abläufen. Hierin sind beispielsweise die unterschiedlichen Darreichungsformen, die Aufmachung der Sushi-Restaurants, die Art das Sushi mit Stäbchen zu essen und der Rahmen, wann und mit wem in eine Sushi-Bar gegangen wird, enthalten. Darüber hinaus existiert neben der Sushi-Zubereitung eine seit langem etablierte Herstellungskette, die den rohen Fisch frisch und in der entsprechenden Qualität an die Restaurants liefert.

Der Übertrag in die USA begann mit eine kleinen Enklave von Japanern, die ihre Tradition mit in die USA gebracht haben und dort nicht auf das traditionelle Essen verzichten wollten. Auch in den USA galten weiterhin die gleichen Traditionen der Zubereitung und der Essformen wie zu Hause in Japan. Ebenso konnte die Lieferkette auch relative einfach in den USA etabliert werden.

Nachdem sich die ersten Sushi-Bars in den USA bei ausgewanderten Japanern etabliert hatten, luden japanische Geschäftsleute ihre amerikanischen Partner ein, die japanische Kultur bei Sushi und Sake kennen zu lernen. Von den amerikanischen Managern sprang der Funke auf deren Familien und Bekanntenkreis über. Zusätzlich war zu dieser Zeit in den USA alles Japanische „in“, getrieben durch japanische Filme und das Bedürfnis kosmopolitisch zu sein. Nebenbei etablierte sich zu dieser Zeit als zusätzlicher Trend gerade der Lifestyle  nicht mehr zu Hause zu kochen, sondern außer Haus essen zu gehen. In Verbindung mit dem Japan-Hype konnten nun die Reichen ihre Weltgewandtheit durch das Ausgehen in recht teure Sushi-Restaurants und das Können mit Stäbchen zu essen zeigen. Von hier war es nur noch ein kurzer Weg bis das Sushi auch den Weg in die amerikanische Mittelklasse fand und der Sprung über den großen Teich nach Europa war zwangsläufig.

Treffen die Voraussetzungen auch auf Insekten zu?

Weltweit essen rund 2 Mrd. Menschen unterschiedliche Insektenarten, daher muss die Auswahl auf Mehlwürmer, Buffalowürmer, Grillen und Grashüpfer eingeschränkt werden, um einen aussagekräftigen Vergleich zu finden.

Zwar werden Insekten weltweit in unterschiedlichen Kulturen konsumiert, doch existiert nicht die eine „Insekten-Kultur“. Am meisten mit traditionellen Ausübungsmethoden verbunden, dürfte die Entomophagie in Thailand, Korea und Japan sein. Somit gibt es, anders als beim Sushi, keine Einbindung in traditionellen Darreichungsformen oder Rituale und somit folglich weder Abläufe noch Regeln wie Insekten zu konsumieren sind. Auch existiert keine lange etablierte Lieferkette für Insekten.

Daher ist die Frage nach der Vergleichbarkeit mit Sushi schnell beantwortet.

Nein, Insekten werden nicht das neue Sushi. Aber was dann?

Produktvielfalt

Gerade die Beispiele in den Niederlanden, welche die Praxis der Entomophagie bereits seit längerem intensiv fördern, zeigen Möglichkeiten auf, wie sich Insekten trotzdem in Europa etablieren können. Da die Integration in einen weiteren kulturellen Kontext fehlt, müssen Insekten selbst im Markt positioniert werden. Dies gelingt am wahrscheinlichsten durch die Einbettung von ganzen oder gemahlenen Insekten in etablierte Produkte und Darreichungsformen. Jedoch fällt es heute dem weit überwiegenden Teil der Konsumenten schwer Insekten in ihre gelernte Essensverarbeitung einzubinden. Hier müssen Hersteller ansetzen und den Kunden möglichst viele Varianten von Lebensmitteln mit Insekten anbieten, damit letztlich der Kunde die Produkte ausprobieren und entscheiden kann, wie er die Produkte in sein Essverhalten integrieren will.

Verfügbarkeit, Geschmack und Preis

 Zwar sind essbare Insekten in Europa eine echte Revolution, aber ist die Neuheit erst einmal abgeklungen, werden sich Insekten letztlich in den Supermarkt-Regalen gegen andere Lebensmittel wie Fleisch oder vegetarische Ersatzprodukte durchsetzen müssen. Hierbei gelten dann die üblichen Regeln und diese heißen:

Verfügbarkeit

Auch mit viel Wohlwollen Insekten zu essen, sind Insekten heute nur in einigen Online-Shops und auf Märkten zu finden. Der eine oder andere Supermarkt hat zwar Insektenprodukte getestet, aber die Anzahl in Deutschland lässt sich an beiden Händen abzählen. Verfügbarkeit sieht anders aus und die Kunden werden die Insektenprodukte nur in den Alltag integrieren wenn diese, wie jedes andere Produkt auch, bei einem normalen Samstagseinkauf zu Salat und Co. in den Einkaufswagen geworfen werden können.

Geschmack

Gerade neue Produkte haben es schwer und müssen mindestens genauso gut schmecken wie vorhandene Lebensmittel, sonst hat der Verbraucher nur wenig Anreiz umzusteigen. Im Idealfall schmecken dem Kunden die neuen Angebote sogar deutlich besser als die vorhandene Auswahl, dann gelingt der Umstieg am schnellsten.

Preis

Stark umweltbewusste Kunden werden bereit sein einen kleinen Obolus für Produkte zu zahlen, wenn diese ihnen einen Mehrwert bietet. Die breite Masse kann oder will nicht tiefer in die Tasche greifen und daher ist das heutige Preis-Premium für Insektenprodukte ein No-Go und hält die Kunden von Wiederholkäufen, somit letztlich von der Verbreitung und Normalisierung, ab.

Selbst nachhaltigkeitsorientierte Kunden haben einen Schmerzpunkt, der nicht überschritten werden darf. Daher spielt der Preis der Lebensmittel am Ende eine entscheidende Rolle bei der Produktauswahl und den Integration von essbaren Insekten in unsere Ernährungsgewohnheiten.

 

Imago steht genau für die vier Punkte: Produktvielfalt, Geschmack, Preis und Verfügbarkeit, welche es ermöglichen werden, essbare Insekten als nachhaltige Alternative in den Alltag der Menschen in Europa zu integrieren.

 

Besuchen Sie unseren Shop und überzeugen Sie sich selbst von unserer stetig wachsenden und leckeren Produktauswahl.

 

Ihr Team von

Imago Insect Products

Email bei Fragen / Kommentaren: info@imago-insects.de


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