Imago Insect Products - Cricket Flour & essbare Insekten
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Ursprungsländer für Insektenprodukte

Das Thema „Insekten essen“ ist und bleibt weiterhin in aller Munde. Erst kürzlich wurde eine neue Zusammenstellung veröffentlicht, welche die Anzahl von aktiven Firmen im Bereich der Entomophagie weltweit auf 223 beziffert. Aber woher bekommen all die Firmen ihre essbaren Insekten? Wo findet die Herstellung statt und was sind die Vor- & Nachteile der jeweiligen Standorte?

Der Übersichtlichkeit halber haben wir uns auf die Betrachtung von Heimchen (Acheta Domesticus) beschränkt.

Deutschland und Europa

Schon seit geraumer Zeit gibt es in Deutschland und Europa Farmen zur Insektenzucht, jedoch sind diese auf Insekten als Futter für Reptilien und Vögel, welche als Haustiere gehalten werden oder in Zoos untergebracht sind, spezialisiert.

Erst seit den Bemühungen der FAO Insekten als Nahrungsmittel zu etablieren sind die ersten Farmen für essbare Insekten als Nahrungsmittel in Deutschland und Europa entstanden. Zum Einen als kleine Projekte mit geringem Output aber zum Anderen haben auch ein paar Futtermittelhersteller eine neue Produktlinie für den Menschen entworfen. Heute sind aus den kleinen Projekten zum Teil größere Farmen entstanden mit entsprechend hohem Produktionsvolumen.

Subtropen (v.a. Thailand)

Dagegen stehen Farmen in den subtropischen Regionen dieser Erde, welche auf eine lange Tradition des "Insekten essen" (Entomophagie) in den jeweiligen Ländern zurückgreifen können. Die Zucht von Insekten ist auch hier relativ neu, aber dennoch seit mehr als 25 Jahren in einigen Ländern, allen voran Thailand, etabliert.

Im Land des Lächelns gibt es heute bereits ca. 20.000 Farmen zur Insektenzucht aber die meisten sind Kleinbauern und nur einige sind groß genug um den Weltmarkt zu bedienen.

Welche Vorteile und Nachteile gibt es zwischen der Herstellung in der EU und Thailand?

CO2-Emissionen

Aufgrund der lokalen Herstellung hat Europa die Nase vorne bei den Transportwegen und den hieraus resultierenden Emissionen. Wohingegen der CO2-Ausstoss durch den langen Transportweg (See- oder Luftfracht) sich für Thailand nachteilig auswirkt.

Demgegenüber steht allerdings die Tatsache, dass es in den Subtropen das gesamte Jahr hindurch warm genug ist, um die Heimchen zu züchten und das natürliche Klima ideale Zuchtvorraussetzungen bietet. Somit entstehen bei der Zucht in Südostasien keine nachteiligen CO2-Emissionen wie es in Europa der Fall ist.

Da in Europa fast ganzjährig die Aufzuchtstation zusätzlich geheizt und die Luftfeuchtigkeit reguliert werden muss, um den Insekten hervorragende Wachstumsbedingungen zu ermöglichen, hat dies einen hohen CO2-Ausstoss zur Folge.

Welcher Einflussfaktor überwiegt, ist heute noch nicht ermittelt und bedarf einer genauen Untersuchung, um die nachhaltigste Lösung zu finden.

Erfahrung in der Zucht von Insekten und Futtermittel

In Thailand existiert die Insektenzucht bereits seit über 25 Jahren und hat damit einen klaren Zeitvorteil gegenüber Europa, in welchem es zwar schon lange Zuchtfarmen für Insekten als Reptilien- oder Vogelfutter gibt, aber die Zucht für den menschlichen Konsum sehr neu ist und keine Farm dürfte länger als 5 Jahre existieren.

Jedoch ist auch in Thailand das Thema des Futtermittels, trotz der längeren Erfahrung, noch nicht eindeutig geklärt. Bisher wurde meist Kraftfutter verfüttert wie es auch für die Hühnerzucht üblich ist. Heute jedoch experimentieren vielen Hersteller in Thailand mit neuen Varianten aus organischen Futtermitteln, um die Nachhaltigkeit, Geschmack und das Wachstum der Insekten zu verbessern.

Ebenso testet in Europa jede Farm ihre eigene Futtermittelmischung und experimentiert mit unterschiedlichen Variationen um das gleiche Trio an Zielen zu erreichen. Aktuell ist hier kein Vorteil für eine der beiden Seiten in Sicht und es wird erst sich im Laufe der Zeit zeigen, welche Aufzucht sich durchsetzen wird.

Qualität

Bei dem einen oder anderen Konsumenten mag bei dem Gedanken an Lebensmittel, die im nicht-europäischen Ausland hergestellt werden, ein mulmiges Gefühl aufkommen. Gerade im Zusammenhang mit Insekten und viele werden sich fragen: „Thailand? Sind die Insekten sicher? Da kaufe ich lieber in Europa hergestellte Ware.“

Auf den ersten Blick eine verständliche Empfindung jedoch mit einem großen Aber. Heutzutage gelten die weltweiten Warenströme nicht mehr nur für Elektronik oder Autoteile, sondern auch für Lebensmittel. Neben Reis und anderen Landwirtschaftlichen Gütern ist Thailand beispielsweise bei Shrimps der Weltmarktführer mit einem Marktanteil von einem guten Drittel an der Weltproduktion.

Ohne Qualität gibt es keine Marktführerschaft und so sind in Thailand ebenso Lebensmittel-Standards wie in Europa oder den USA in Kraft (FDA oder HACCP). Ohne diese Standards und Labortests ist außerdem ein Import in die EU nicht möglich. Daher sind essbare Insekten aus Europa und Thailand hinsichtlich der Qualität als gleichwertig einzustufen.

Niedrig-Lohn-Land vs. Hightech-Roboter?

Neben den obigen Kriterien wird letztlich der Preis eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Lieferanten spielen. Hier hat Thailand aktuell die Nase ganz weit vorne und Europa muss einige Anstrengungen unternehmen, um die preisliche Lücke zu Asien zu schließen.

Wie bereits erwähnt, bietet Thailand klimatisch ideale Voraussetzungen zur Zucht von Insekten und so entfallen die Kosten für die Regulierung von Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Ebenso ist die Insektenzucht selbst mit geringen Kosten verbunden und die Materialien sind einfach erhältlich. Der Zeitaufwand in Verbindung mit geringen Löhnen hält das Preisniveau niedrig.

Daher werden die Kosten von einem Kilo Heimchen aus Thailand aktuell zu ca. 70 % durch das Futtermittel bestimmt und nur zu 30 % durch Arbeitskosten, Anlagen und sonstige Materialien.

Trotzdem ist der Preis für Insektenmehl auch in Thailand noch deutlich über dem Preis von Hühnchen, Rind oder Schwein. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Farmen darauf die Futtermittelmischungen zu optimieren und alternative Quellen aus nicht mehr benötigtem organischem Material zu finden, wie beispielsweise der Maische beim Bierbrauen. Eine weiterer Preisfall ist, wie überall, auch aufgrund der steigenden Produktionsmenge zu erwarten.
 
In Europa sieht das Bild etwas anders aus und das Kilo Insektenmehl kostet mindestens das dreifach in der Herstellung wie in Thailand. Die hohen Preise erklären sich schnell durch die Futtermittelkosten, höhere Löhne und zusätzliche Kosten für Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsregulierung sowie für Gebäude und Land. Es wird an vielen Ecken gearbeitet um die Preise signifikant zu senken.

So spielen einige Firmen mit dem Gedanken den kompletten Herstellungsprozess zu automatisieren, um letztlich das Volumen im Verhältnis zu Arbeitskosten zu optimieren. Wie auch im Falle von Thailand ist dabei eine Preissenkung durch die steigende Produktionsmenge zu erwarten.

Die Transportkosten werden beim aktuellen Preisgefüge auf lange Zeit keinen Vorteil für Europa bieten, da ihr Einfluss bei entsprechender Menge weniger als < 1 % der Gesamtkosten ausmacht und somit eine untergeordnete Rolle spielt.

Fazit

Woher die entstehende Insektenindustrie in Zukunft ihren Rohstoff bekommen wird, ist aktuell nicht abzusehen. Letztlich werden Qualität und Preis die entscheidenden Faktoren sein und es sind verschieden Varianten denkbar.

Einerseits könnten sich die europäischen Hersteller durch die Merkmale „organisch“  und „regional“ von Herstellern aus Thailand abheben, um sich Marktanteile zu sichern.

Andererseits ist es aber genauso denkbar, dass sich globale Zuchtstandards durchsetzen werden und sich letztlich Südostasien aufgrund der Kostenvorteile durchsetzt – ähnlich wie bei der Zucht von Shrimps, die heute ebenfalls von subtropischen Ländern dominiert wird.

Wie auch immer sich Züchtung und Lieferanten entwickeln, am Ende muss der Konsument der Gewinner sein. Damit er ein qualitativ hochwertiges und nachhaltiges Produkt zum besten Preis bekommt und auch in Zukunft innovative Produkte aus Insekten genießen kann.

Wir freuen uns auf ihr Feedback zu unserem Blogeintrag.

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